Maschinelle Übersetzung mit Google Translate

BDÜ testet Google Translate

BDÜ testet Google Translate (aus der BdueMediathek auf YouTube)

Google Translate

Vertrauen Sie kostenlosen maschinellen Übersetzungen aus dem Internet? Haben Sie schon Wörter oder sogar ganze Sätze Google Translate & Co. anvertraut? Für welche Sprachen? Wie war das Ergebnis?

Kostenlose Übersetzungstools aus dem Internet erfreuen sich großer Beliebtheit. Immer wieder stößt man beispielsweise auf so übersetzte Webseiten. Ich persönlich finde die Ergebnisse der maschinellen Übersetzung äußerst abschreckend. Derartige Webseiten nutzen mir bei meiner Terminologierecherche im Internet überhaupt nichts. Und bei meinem – wahrscheinlich beruflich bedingten – Faible für gute Texte kann ich mich auch für das „private“ Lesen solcher Artikel wenig begeistern. Der Informationsgewinn ist so gering, dass ich lieber darauf verzichte. Gut strukturierte und flüssig lesbare Texte sind viel besser wahrnehmbar.

Selbst wenn es nur darum geht, die wichtigsten Informationen aus einem Text herauszufiltern, gelingt dies häufig nicht. Der komplexe Satzbau im Deutschen macht es dem kostenlosen Übersetzungsprogrammen recht schwer. Dennoch werden sie offensichtlich viel benutzt, laut eigenen Angaben vom Mai 2012 hat Google Translate jeden Monat 200 Millionen Nutzer. Täglich wird eine Textmenge von Google Translate übersetzt, die etwa einer Million Büchern entspricht.

Ich rate meinen Kunden von der Nutzung dieser Programme jedoch ab. Nicht, weil ich Angst davor hätte, dass die maschinelle Übersetzung eine Gefahr für professionelle Übersetzer darstellt, sondern weil sie schlicht und einfach zu fehlerbeladen ist. Die menschliche Sprache ist zu komplex, um von einer Maschine korrekt wiedergegeben zu werden.

Selbst für private Zwecke sind die Übersetzungstools aus dem Internet mit Vorsicht zu genießen. Sie können höchstens als eine erste Orientierung dienen und selbst dann nur, wenn man die übersetzte Sprache selbst ein bisschen beherrscht. Ansonsten sind die Fehler nicht zu erkennen, was zu Missverständnissen führen kann. Für Texte im geschäftlichen Bereich sind diese Tools gar nicht geeignet.

Beispiele aus der Praxis

Beispielhaft möchte ich einen Fall aus eigener Praxis nennen. Vor kurzem wurde ich als Dolmetscherin für Tschechisch für den notariellen Abschluss eines Grundstückskaufs gebucht. Der Käufer, ein deutscher Staatsbürger, wollte ein Grundstück in Brandenburg zwei Tschechen abkaufen, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Den notariellen Kaufvertrag gab es auf Deutsch, die Tschechen ließen sich eine tschechische Übersetzung von einem Übersetzer anfertigen. Die Übersetzung wurde mir ein paar Tage vor der Vertragsunterzeichnung vorgelegt. Diese Übersetzung wurde von einem Humanübersetzer angefertigt und war, bis auf ein paar Fehler, vor allem rechtlicher Natur, in Ordnung.

Der deutsche Käufer kommunizierte alles im Vorfeld mit dem Makler, der weder Deutsch noch Englisch sprach, per E-Mail mit Hilfe von Google Translate. Erst schien alles zu funktionieren: der Vertrag wurde hingeschickt, Notar informiert, Dolmetscher auf Kosten des Käufers gebucht, Termin zur Unterzeichnung vereinbart. Zwei Tage vor dem Termin ruft mich jedoch mein Kunde verzweifelt an: „Frau Mäder, wir haben ein Problem. Aus irgendeinem Grund bestehen die Verkäufer plötzlich auf eine Barzahlung. Können Sie dort bitte anrufen und klären, dass dies in Deutschland unüblich ist und meine Bank dies nicht mitmacht? Wir haben versucht, es den Verkäufern zu erklären, aber da wir uns nur mit Hilfe des Google Translators verständigen, klappt es irgendwie nicht richtig. Können Sie uns bitte helfen, Sie sind unsere letzte Chance! Ich schicke Ihnen den sämtlichen E-Mail-Verkehr zu. Dann können Sie sich vielleicht besser ein Bild davon machen, wo das Problem liegt.“

Oh ja, ein Bild von der Qualität dieses Programmes habe ich mir in der Tat gemacht. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht wie bei diesen „Übersetzungsversuchen“. Beide Seiten haben wohl ziemlich schnell verstanden, dass sie mit komplexen Sätzen nicht weit kommen und sich deshalb auf sehr einfach strukturierte Hauptsätze beschränkt in der Hoffnung, dass wenigstens diese korrekt in der anderen Sprache wiedergeben werden. Für mich waren sowohl die Übersetzungen ins Deutsche als auch ins Tschechische kaum verständlich. Zum Glück haben sie mir immer auch den Ausgangstext mitgeteilt, so dass ich mich einiger Maßen in dem Wortsalat orientieren konnte.

Ich wusste, dass ich von den kostenlosen Übersetzungsprogrammen im Internet nicht viel halten kann. Dass sie aber so schlecht sind, war für mich überraschend. Die Wortfolge wurde durcheinander gebracht, Verben nicht konjugiert, Substantive falsch dekliniert, grundlegende Grammatikregeln missachtet, von Rechtschreibung oder Stilistik ganz zu schweigen. Sätze wie: „Ich dachte, dass ich mit E-Mail zustimmen.“ oder „Ich habe es ihnen aber sicher.“ waren noch harmlos. Lustig waren deutsche Sätze wie „Ich habe Ihre Initialen lady Eigentümer weitergeleitet und Master-Geschwister sind Bruder und Schwester.“ Bei der Übersetzung des deutschen Satzes „Entschuldige, aber bei der Übersetzung geht ab und an der Sinn verloren.“ kam nach der maschinellen Übersetzung heraus: „Je nám líto, ale jde ven a ztratil v překladu do smysluplné.“ („Es tut uns leid, aber er geht raus und hat in der Übersetzung ins sinnvoll verloren.“) Da fällt mir nur ein: Lost in Translation!

An anderer Stelle entschuldigt sich der Käufer für das komplizierte deutsche Rechtssystem und bekommt als Antwort „Verstanden, in diesem Land die Dinge sehr kompliziert.“, was man als Deutscher schon fast als beleidigend auffassen könnte. Gemeint war jedoch das auch „bei uns“, also in Tschechien, die Dinge sehr kompliziert sind.

Kritisch wurde es, als Google Namen nicht erkannt hat und diese mitübersetzte. Der Notar wollte wissen, ob die Verkäufer verheiratet sind, da in diesem Fall die Ehegatten dem Verkauf zustimmen müssten. Der Makler schrieb auf Tschechisch, dass die Frau Witwe ist und Herr Němec geschieden. Das Ergebnis der maschinellen Übersetzung war jedoch, dass die Frau Witwe ist und der Mann ein Deutscher (!). Auch im nachfolgenden E-Mail-Verkehr hat sich nicht das Missverständnis, dass der Verkäufer Němec heißt, was auf Deutsch „Deutscher“ bedeutet, er aber kein Deutscher ist und vom Familienstand geschieden (was die eigentliche Information sein sollte), nicht erklären können.

Am schlimmsten war jedoch ein grober inhaltlicher Übersetzungsfehler, der fast die ganze Verhandlung zum Scheitern gebracht hätte. Es hat auf jeden Fall allen Beteiligten sehr viel Zeit und Kraft gekostet. In der ursprünglichen deutschen E-Mail stand: Geld … € für die Verkäufer, … € für die Stadt XY, zusammen … €“, in der tschechischen Übersetzung „… € in bar für den Verkäufer, … € für die Stadt XY, zusammen … €“ (Hervorhebung von mir). Die Verkäufer haben es dann beim Wort genommen und wollten sich partout nicht mehr mit einer Überweisung aufs Notaranderkonto einverstanden erklären. Nur dank der ausführlichen Erklärung des Notars bei der Unterzeichnung, meinen Vermittlungsbemühungen, dem unermüdlichen Willen des Käufers und wahrscheinlich auch dem starken Wunsch der Verkäufer, das Grundstück endlich zu verkaufen, wurde das Problem behoben. Anhand solcher Fehler sieht man eindeutig, wie gefährlich die maschinelle Onlineübersetzung sein kann.

Duell: Mensch gegen Maschine

Zum gleichen Ergebnis ist auch der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ e.V.) gekommen, als er einen sehr spanenden Test durchgeführt hat, bei dem er einen Humanübersetzer gegen Google Translate vor laufender Kamera antreten ließ (siehe Video oben).

Außerdem ließ der BDÜ im Rahmen eines weiteren Experimentes verschiedene Textsorten (ein Zeitungsartikel, eine Speisekarte oder ein Kochrezept, eine Bedienungsanleitung eines Elektrogeräts, Allgemeine Geschäftsbedingungen eines Onlineshops und eine geschäftliche E-Mail) aus dem Polnischen, Spanischen, Englischen und Chinesischen von vier qualifizierten Übersetzern sowie von Google Translate ins Deutsche übersetzen. Die Ergebnisse wurden anschließend anhand einheitlicher Kriterien bewertet. Am besten haben die maschinellen Übersetzungen der Kochrezepte und Speisekarten aufgrund der einzelnen Wörter und kurzen Sätze abgeschnitten. Ganz schlecht hingegen waren die Ergebnisse der Übersetzungen von Bedienungsanleitungen, AGB und Zeitungsartikeln, die mit der Schulnote 5 abschnitten. „Das Lesen der Texte war zum Teil mühsam, und kaum ein Satz war fehlerfrei. Manche Passagen waren schlicht unverständlich“, so BDÜ-Präsident André Lindemann.

Datenschutz

Nicht zu unterschätzen ist die Frage nach dem Datenschutz bei der Verwendung des Google Translate. Was passiert eigentlich mit den Texten und Daten, die für eine Übersetzung eingegeben werden? Leider handeln in dieser Hinsicht viele Menschen unvernünftig und geben freiwillig ihre Daten an Google weiter, ohne zu wissen, was mit ihnen passiert. Sensible Dokumente und vertrauliche Informationen wie in Verträgen oder geschäftlichen E-Mails sollte man daher auf keinem Fall von Google Translate übersetzen lassen. Welche Erfahrungen haben Sie mit kostenlosen maschinellen Übersetzungen aus dem Internet gemacht? Welche Art Texte würden Sie Google anvertrauen, wenn überhaupt? Kennen Sie andere amüsante, von einer technischen Übersetzung verursachte Übersetzungsfehler?

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Die Autorin: Iva Mäder – Diplom-Übersetzerin und beeidigte Dolmetscherin
Kontakt: +49 30 64835590 | blog@dolmetschbar.de | www.dolmetschbar.de

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Eine Antwort auf Maschinelle Übersetzung mit Google Translate

  1. Faruk sagt:

    Guter Artikel. Mensch schlägt noch Maschine! Ein Beispiel zeigt auch hier noch einmal, wo die Unterschiede liegen:
    http://www.onlinetranslate.de/allgemeines.html

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